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Quartiersentwicklung in Grohn

Blick von unten auf die Grohner Düne

Bereits 1984 bis 1990 wurde in Teilbereichen der Grohner Düne ein Nachbesserungsprojekt durchgeführt. Die schwierige Eigentümerkonstellation führte in den 90er Jahren zum Niedergang der Wohnanlage. Mit einer umfangreichen Sanierung in 1998/99 und der Aufnahme des Quartiers in die sozialen Stadtentwicklungsprogramme 1999, konnte der negative Trend aufgehalten werden. Seit 2005 ist der gesamte Ortsteil Grohn Programmgebiet der Sozialen Stadtentwicklungsprogramme "Soziale Stadt", "WiN – Wohnen in Nachbarschaften" und "LOS". Aufgrund der geringen Größe des Kerngebiets ist die Mittelzuweisung auf 50% der Basisfördersumme festgesetzt worden.

Mit der Ausdehnung des Programmgebietes auf den gesamten Ortsteil Grohn sollte eine stärkere Verzahnung mit den umgebenden Wohngebieten ermöglicht werden. Es konnten Aktivitäten und Projekte gefördert werden, die dazu beitragen sollten, zwischen der alteingesessenen Grohner Bevölkerung und den Bewohner/innen der Grohner Düne Brücken zu schlagen. Dieses Bemühen ist nur partiell gelungen, sodass aktuell der Fokus der Projekte und Vorhaben wieder verstärkt auf dem Schwerpunktgebiet Grohner Düne liegt. Darüber hinaus werden auch Projekte in Einrichtungen, Schulen und Vereinen bezuschusst, die von den Bewohner/innen der Grohner Düne besucht werden.

Kinderfest im Innenhof der Grohner Düne
Kinderfest im Innenhof der Grohner Düne

Ab 2001 wurde für das WiN-Gebiet ein eigenständiges Quartiersmanagement eingerichtet, das im Bewohnertreff, Bydolekstraße 5, angesiedelt ist. Nach einer Renovierungsphase wurde der Treff im Juni 2002 unter dem Namen Bewohnertreff Dünenwind mit einem veränderten Konzept wieder eröffnet und wird unter Regie des Quartiermanagements betrieben. Der in 2001 gegründete Verein "Leben in Grohn e.V." fungiert seitdem als Träger vieler Angebote im Bewohnertreff.

Kinderfest im Innenhof der Grohner Düne
Kinderfest im Innenhof der Grohner Düne

Die Grohner Düne ist in den letzten Jahren Einwanderungsort für Zuwanderer aus den arabischsprechenden Ländern, dem Kosovo und im geringeren Maße auch aus den östlichen Landesteilen der Türkei geworden.
Im Bewohnertreff "Dünenwind" wird mit vielfältigen Angeboten auf die Situation im Quartier reagiert. Hauptsächlich geht es darum, den Zuwanderern das Ankommen im neuen Lebensumfeld zu ermöglichen, bzw. zu erleichtern, aber auch den wenigen deutschen Bewohnern eine Möglichkeit zu bieten, ihre sozialen Kontakte zu pflegen.

In Abständen von etwa 8 Wochen oder bei Bedarf tritt in Grohn die Stadtteilgruppe zu einem "WiN-Forum" zusammen und berät sowohl über vorliegende Projektanträge, wie über inhaltliche Schwerpunktsetzungen und nimmt zu aktuellen Entwicklungen im Stadtteil Stellung.

Neben den Projekten die auf Integration und nachbarschaftliches Zusammenleben ausgerichtet sind, ist die Verbesserung der Bildungssituation, insbesondere von Kindern und Jugendlichen ein weiterer Schwerpunkt der Projekte.
Die jährlich zur Verfügung stehenden 75.000€ aus dem Programm WiN werden zu etwa einem Viertel für Projekte des Vereins "Leben in Grohn e.V." im Bewohnertreff Dünenwind bewilligt. Weitere größere geförderte Projekte sind "Schlichten in Nachbarschaften" des Täter-Opfer-Ausgleich und die Straßensozialarbeit des Caritasverbandes. Der Rest der Mittel verteilt sich schwerpunktmäßig auf Bildungsangebote in Einrichtungen, Schulen und Vereinen. Es handelt sich u. a. um frühkindliche Bildung im Bereich Musik und Bewegung, Kunst- und Musikprojekte, Naturerfahrungen, erlernen von Arbeitstechniken, schulische Hilfen, soziale Kompetenzen, Begleitung des Übergangs von der Schule in den Beruf etc..

WiN-Forum in Grohn
WiN-Forum in Grohn

Die WiN-Foren sind öffentlich und stehen neben den lokalen Akteuren auch den Bewohner/innen offen. Die Beteiligung an diesen Diskussions- und Entscheidungsprozessen gestaltet sich allerdings schwierig. Das Quartier dient der Erstintegration von Zuwandererfamilien und 87% der Bewohner/innen haben einen Migrationshintergrund. Sie sind überwiegend damit beschäftigt, sich in der Aufnahmegesellschaft zu orientieren, anzukommen und bestenfalls hier Wurzeln zu schlagen. Die Mitarbeit in Beteiligungsgremien ist ihnen fremd und die Umsetzung von Wünschen und Ideen wird gern ans Quartiermanagement delegiert.
Deshalb werden Projekte und Vorhaben im Vorfeld auch mit denjenigen diskutiert, die den Bewohnertreff nutzen und dort an Kursen und Angeboten teilnehmen. Darüber hinaus hat sich das wöchentlich stattfindende Offene Frühstück zu einem Diskussionsforum entwickelt, das die Möglichkeit bietet, über Projektideen und Bedarfe oder über das Zusammenleben der unterschiedlichen Ethnien und Kulturen zu sprechen.

Gemeinsames Planen
Gemeinsames Planen

Aufgrund der hohen Fluktuation in der Bewohnerschaft ist es immer wieder aufs Neue erforderlich, das Zusammenleben der unterschiedlichen kulturellen und ethnischen Gruppen in den Vordergrund der Aktivitäten zu stellen.
Die vorhandenen Ressentiments und Vorurteile, die zwischen einzelnen Migrantengruppen bestehen – aber auch zwischen den deutschen und ausländischen Bewohner/innen bzw. den Bewohner/innen ausländischer Herkunft – sind immer wieder Ausgangspunkt für latente Spannungen und Konflikte.

Dauerhafte "Querschnittsaufgabe" des Quartiersmanagements ist es, dafür zu sorgen, dass die Unterschiedlichkeit der Bewohner/innen, ihr kultureller Hintergrund und ihre Einstellungen, Normen und Werte thematisiert und somit zum Ausgangspunkt eines permanenten Aushandlungsprozesses über die von allen zu akzeptierenden Verhaltensweisen und Regeln werden. Je aktiver und dynamischer dieser Austausch unter den Bewohnern, aber auch in den vor Ort arbeitenden Einrichtungen, Institutionen, Initiativen und Vereinen betrieben wird, um so mehr stabilisieren sich die sozialen Bezüge innerhalb des Quartiers und um so besser gelingt die Integration in die Aufnahmegesellschaft.

Buntes Leben in der Grohner Düne
Buntes Leben in der Grohner Düne

In den Projekten und Angeboten geht es immer auch darum, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in ihrer kulturellen Identität zu bestärken, sie mit den Erwartungen und Gepflogenheiten der deutschen Kultur und Gesellschaft vertraut zu machen und somit Teilhabe und Integration zu ermöglichen. Der Prozess der interkulturellen Kommunikation ergibt sich erfahrungsgemäß nicht von selbst; vielmehr bedarf es einer fortlaufenden Initiierung und Steuerung sowie eines Ortes oder Treffpunktes, der eine offene und weitgehend vorurteilsfreie Atmosphäre vermittelt. Für viele Bewohner/innen ist dieser Ort der Bewohnertreff genauso wie die Kita, das Horthaus, das Spielhaus oder auch die Schule.